Wie ein HfG-Projekt die neue Fahrradbrücke am Flughafen schon früh erlebbar machte
Im kommenden Jahr wird eine neue Rad- und Gehwegbrücke den Flughafen Frankfurt mit Gateway Gardens verbinden – ein wichtiger Schritt für nachhaltige Mobilität rund um den Airport. Besonders erfreulich für uns: Die gestalterische Grundidee dieser Brücke hat ihren Ursprung in einem Semesterprojekt aus dem Winter 2016/17. Damals entwickelten Studierende unter der Leitung von Prof. Peter Eckart im Rahmen eines vom Bundesministerium für Verkehr geförderten Projekts visionäre Konzepte für eine Rad- und Fußgängerbrücke an genau dieser Stelle.
Ein Standort, der neue Perspektiven auf Radverkehr braucht
Der Frankfurter Flughafen ist ein komplexer Verkehrsknotenpunkt – Arbeitsort für zehntausende Menschen und ein Ort hoher Mobilitätsdichte. Trotz der vielen Wege gab es lange Zeit nur wenige Angebote für den Rad- und Fußverkehr, besonders rund um die Kreuzung Kapitän-Lehmann-Straße/Hugo-Eckener-Ring. Hier mussten Radfahrende bislang acht Ampeln überwinden, um die Straßenseite zu wechseln. Das Semesterprojekt der HfG nahm sich genau dieser Situation an:
Wie kann eine Brücke an diesem Ort aussehen, die funktional ist, Sicherheit schafft und gleichzeitig eine klare Einladung zum Radfahren darstellt? Entscheidend war dabei nicht nur die Gestaltung selbst, sondern vor allem ein besonderer Ansatz: die Entwicklung von Zukunftsbildern.
Zukunftsbilder: Entwürfe, die man erleben kann
Um diese Frage zu beantworten, nutzten die Studierenden Werkzeuge, die in Planungsprozessen damals noch kaum verbreitet waren. Mit Augmented Reality (AR) und Virtual Reality (VR) wurden die Brückenentwürfe so aufbereitet, dass sie direkt am Ort erlebbar waren – inklusive räumlicher Wirkung, Höhenverläufen, Blickachsen und Atmosphäre.
Diese Form der Visualisierung veränderte die Diskussion grundlegend: Statt über abstrakte ästhetische Kategorien wie „schön“ oder „harmonisch“ zu sprechen, wurde plötzlich über konkrete Empfindungen diskutiert:
- „Hier wirkt es hoch.“
- „Von hier oben hat man eine großartige Aussicht.“
- „Dieser Bereich ist zu dunkel.“
- „Die Rampe fühlt sich angenehm an.“
Die Zukunftsbilder machten erfahrbar, wie sich die Brücke anfühlen könnte – und schufen damit eine gemeinsame Grundlage für Entscheidungen.
Eine Ausstellung direkt am Flughafen
Ein wesentlicher Teil des Projekts war die Präsentation der Ergebnisse direkt vor Ort: Fraport richtete 2017 eine Ausstellung aus, in der die HfG-Studierenden ihre Arbeit umfassend vorstellen konnten.
Gezeigt wurden:
- physische Modelle der Brückenentwürfe,
- Prototypen von Bauteilen und gestalterischen Konzepten,
- AR-Simulationen, die Besucher:innen am Flughafen direkt in die Zukunftsbilder eintauchen ließen,
- eine ausführliche Projektdokumentation.
Diese Ausstellung bot eine wichtige Gelegenheit, die Entwürfe einem breiten Publikum aus Fachleuten, Entscheidungsträgern und Mitarbeitenden von Fraport vorzustellen. Sie machte sichtbar, wie die Brücken aussehen, funktionieren und wirken könnten – und trug entscheidend dazu bei, die Vision greifbar und diskutierbar zu machen.
Ein Beitrag zur jetzigen Umsetzung
Als Fraport nun ankündigt, eine Rad- und Gehwegbrücke zu bauen und dabei das gestalterische Grundkonzept aus dem damaligen Hochschulwettbewerb hervorhebt, zeigt sich eine schöne Verbindung: Die früh entwickelten Entwürfe der HfG-Studierenden – und insbesondere die damals geschaffenen Zukunftsbilder – haben geholfen, Möglichkeiten sichtbar zu machen und den Austausch zwischen allen Beteiligten zu erleichtern. Viele der nun realisierten Elemente, etwa die geschwungene Form, die visuelle Abschirmung zur A3 oder die einladende Führung für Radfahrende und Fußgänger, wurden schon damals erlebbar gemacht und konnten so in die weitere Planung einfließen.
Warum Zukunftsbilder heute wichtiger denn je sind
Planung lebt von Vorstellungskraft. Je komplexer ein Standort ist, desto wertvoller werden Methoden, die zukünftige Räume erfahrbar machen. Die Arbeit der Studierenden im Jahr 2016/17 zeigt exemplarisch, wie Hochschulprojekte Transformationsprozesse anstoßen können – indem sie eine erlebbare Grundlage schaffen, die Diskussionen ermöglicht und Visionen konkret werden lässt. Dass in den kommenden Jahren eine Brücke entsteht, die sich aus diesen frühen Ideen entwickelt hat, freut uns daher besonders. Es zeigt, wie eng Forschung, Lehre und Praxis zusammenwirken können, wenn Zukunft sichtbar und begehbar wird.